Rigole, Sickertunnel oder Sickerschacht: was wann passt
Wer Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern soll, steht schnell vor einem Katalog voller Bauformen. Die Auswahl wirkt wie eine Produktfrage, ist aber eine Bodenfrage: Durchlässigkeit, Grundwasserstand und verfügbare Fläche geben vor, was überhaupt in Betracht kommt.
Erst danach lohnt der Vergleich der Bauformen — und der fällt je nach Grundstück deutlich anders aus, als der Prospekt nahelegt.
Zuerst der Boden: der kf-Wert
Der Durchlässigkeitsbeiwert kf beschreibt, wie schnell Wasser im Untergrund versickert. Er kommt aus dem Baugrundgutachten oder aus einem Sickerversuch. Ein Eimertest im Garten ersetzt beides nicht, gibt aber eine erste Richtung.
| Durchlässigkeit | Typischer Boden | Bewertung für die Versickerung |
|---|---|---|
| über 1 × 10⁻³ m/s | grober Kies, Grobsand | sehr schnell — Reinigungswirkung des Bodens zu gering, zusätzliche Maßnahmen nötig |
| 1 × 10⁻³ bis 1 × 10⁻⁴ m/s | Sand, schwach schluffiger Sand | sehr gut geeignet, kompakte Anlagen möglich |
| 1 × 10⁻⁴ bis 1 × 10⁻⁵ m/s | schluffiger Sand, sandiger Lehm | geeignet, Anlage fällt größer aus |
| 1 × 10⁻⁵ bis 1 × 10⁻⁶ m/s | Lehm, Geschiebemergel | Grenzbereich — Volumen steigt stark an |
| unter 1 × 10⁻⁶ m/s | Ton, Klei | nicht geeignet — Rückhaltung mit Drossel statt Versickerung |
Zur Durchlässigkeit kommt der Abstand zum mittleren höchsten Grundwasserstand. Gefordert ist in der Regel mindestens ein Meter zwischen Anlagensohle und Grundwasser. Maßgeblich ist der höchste Stand über das Jahr, nicht der Wert am Tag der Bohrung — in Marschlagen liegen dazwischen schnell ein bis zwei Meter.
Die Bauformen im Vergleich
| Bauform | Passt bei | Flächenbedarf | Bautiefe | Wartung |
|---|---|---|---|---|
| Rigole | durchlässigem bis mitteldurchlässigem Boden | gering, liegt unter der Nutzfläche | 0,8 bis 2,0 m | Filterschacht jährlich |
| Sickertunnel | hohem Grundwasser, flachem Aushub | mittel, große Grundfläche | 0,9 bis 1,2 m | Filterschacht jährlich, spülbar |
| Sickerschacht | durchlässiger Schicht unter bindiger Deckschicht | sehr gering, punktuell | 2 bis 5 m | Absetzschacht halbjährlich |
| Mulden-Rigolen-System | nahezu jedem Boden, auch schwach durchlässig | hoch, sichtbar im Garten | 0,5 bis 1,5 m | Mulde mähen, Bewuchs pflegen |
Rigole
Der Standardfall: ein unterirdischer Hohlraumspeicher unter Rasen, Beet oder Zufahrt. Entscheidend ist der Speicherkoeffizient. Gewaschener Kies speichert nur rund ein Drittel seines Bauvolumens, Kunststoff-Füllkörper etwa 95 Prozent. Für dasselbe nutzbare Volumen braucht die Kiesvariante also rund das Dreifache an Aushub — auf kleinen Grundstücken rechnet sich der Füllkörper deshalb fast immer, trotz höherem Materialpreis.
Sickertunnel
Halbschalen, die offen auf einer Kiesschicht stehen und dadurch eine große Sickerfläche zur Sohle hin bieten. Sie brauchen weniger Bautiefe als eine Rigole und sind damit die Antwort auf hohen Grundwasserstand oder eine oberflächennahe Sperrschicht. Bezahlt wird das mit Grundfläche im Garten.
Sickerschacht
Die Punktversickerung in die Tiefe, sinnvoll, wenn unter einer bindigen Deckschicht durchlässigerer Boden ansteht. Weil das Wasser die belebte Bodenzone weitgehend umgeht, ist die Reinigungswirkung gering: In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sind Sickerschächte regelmäßig ausgeschlossen, und eine wirksame Vorreinigung ist immer Pflicht.
Mulden-Rigolen-System
Aus wasserwirtschaftlicher Sicht die beste Kombination: eine flache, bewachsene Mulde über der Rigole. Das Wasser passiert die belebte Bodenzone, wird dort gereinigt und läuft verzögert in den Speicher. Damit lassen sich auch leicht verschmutzte Hof- und Zufahrtsflächen entwässern — dafür ist die Fläche sichtbar und nicht überbaubar.
Was jede Anlage zusätzlich braucht
- Abstand zum Gebäude: bei unterkellerten Gebäuden in der Regel sechs Meter, sonst wandert das versickerte Wasser zur Kellerwand.
- Notüberlauf mit definiertem Weg: Wohin läuft das Wasser, wenn die Anlage voll ist? Die Antwort gehört in den Plan, nicht in den Zufall.
- Überflutungsnachweis nach DIN 1986-100 für das 30-jährliche Ereignis — zusätzlich zur Bemessung nach DWA-A 138.
- Lastannahme vor der Bestellung: Wer später über die Anlage fahren will, braucht Bauteile und Überdeckung für die passende Lastklasse.
- Anzeige oder Erlaubnis bei der unteren Wasserbehörde, je nach Bundesland und Lage im Schutzgebiet.
Typische Fehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Bauform ohne kf-Wert gewählt | Anlage staut tagelang ein, Wasser drückt gegen den Keller |
| Sohle mit dem Bagger verdichtet | Sickerleistung bricht ein, bevor die Anlage in Betrieb ist |
| Keine Vorreinigung eingebaut | Verschlämmung nach wenigen Jahren, Anlage muss geöffnet werden |
| Notüberlauf ohne Ablaufweg | Wasser sucht sich den Weg — meist zum Nachbargrundstück |
| Nur Sommerwasserstand betrachtet | Zu geringer Grundwasserabstand, Anlage im Winter unwirksam |
Unklar, was Ihr Boden hergibt? Wir bemessen die Anlage nach DWA-A 138 und vergleichen die Bauformen an Ihren Zahlen.
Versickerungsanlage ansehen