Legionellen vermeiden: Temperaturen, Stagnation, Spülplan
Legionellen sind natürlicher Bestandteil von Wasser. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich stark vermehren — und dafür brauchen sie genau die Bedingungen, die eine schlecht geplante oder schlecht betriebene Installation liefert: lauwarmes Wasser, das lange steht.
Die drei Faktoren
- Temperatur: Der kritische Bereich liegt zwischen etwa 25 und 50 Grad. Darunter passiert kaum etwas, darüber sterben die Keime ab.
- Stagnation: Wo Wasser steht, entstehen Biofilme, in denen sich Keime ansiedeln und vermehren.
- Nährstoffe und Oberflächen: Ablagerungen, ungeeignete Materialien und rauhe Oberflächen begünstigen Biofilme.
Der praktische Ansatz ist deshalb immer derselbe: Warmwasser durchgängig heiß halten, Kaltwasser durchgängig kalt, und dafür sorgen, dass überall regelmäßig Wasser fließt.
Was in Wohngebäuden wirklich hilft
- Speichertemperatur ausreichend hoch halten und die Zirkulation so einregulieren, dass der Rücklauf nicht zu weit abfällt.
- Kalt- und Warmwasserleitungen getrennt führen und beide dämmen — Warmwasser gegen Verlust, Kaltwasser gegen Erwärmung.
- Stichleitungen kurz halten, idealerweise unter der Drei-Liter-Grenze.
- Selten genutzte Entnahmestellen regelmäßig spülen oder mit automatischer Spülung ausstatten.
- Nicht mehr genutzte Leitungsabschnitte nicht nur absperren, sondern zurückbauen — abgesperrte Totleitungen sind Keimreservoirs.
- Ablagerungen im Speicher durch regelmäßige Kontrolle und Entleerung im Blick behalten.
Ein praktikabler Spülplan
Ein Spülplan wirkt nur, wenn er im Alltag durchgehalten wird. Deshalb sollte er einfach sein:
| Situation | Maßnahme | Intervall |
|---|---|---|
| Regelmäßig genutztes Bad | Keine gesonderte Maßnahme nötig | Entfällt |
| Gästebad, selten genutzt | Warm und kalt kräftig laufen lassen, bis Temperatur konstant | Wöchentlich |
| Außenzapfstelle im Winter | Entleeren und absperren | Saisonal |
| Ferienwohnung oder Leerstand | Alle Entnahmestellen spülen | Wöchentlich, vor Wiedernutzung ausgiebig |
| Nach längerer Abwesenheit | Alle Stellen mehrere Minuten spülen, Speicher aufheizen | Einmalig nach Rückkehr |
Wärmepumpe und Warmwassertemperatur
Bei Wärmepumpen kostet jedes Grad Warmwassertemperatur spürbar Effizienz. Der Wunsch, die Temperatur zu senken, ist deshalb verständlich — er stößt aber an hygienische Grenzen.
Der Spielraum hängt stark vom Anlagentyp ab: Frischwasserstationen mit geringem Speichervolumen im Trinkwasser sind hygienisch günstiger als große Speicher mit stehendem Trinkwasser. Wer eine niedrige Temperatur fahren will, sollte das System entsprechend wählen — nicht einfach den Sollwert reduzieren.
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