Umsetzung & Betrieb8 Min. Lesezeitaktualisiert 12. August 2026

Heizkurve richtig einstellen: Anleitung für Eigentümer

Die Heizkurve ist der wirksamste Regler an Ihrer Heizung — und der am seltensten angefasste. So senken Sie sie systematisch ab, ohne dass es kalt wird.

Eine witterungsgeführte Regelung bestimmt die Vorlauftemperatur aus der Außentemperatur. Der Zusammenhang zwischen beiden ist die Heizkurve. Sie hat zwei Stellschrauben: Steilheit und Parallelverschiebung.

  • Die Steilheit legt fest, wie stark der Vorlauf steigt, wenn es draußen kälter wird. Sie wirkt vor allem bei tiefen Außentemperaturen.
  • Die Parallelverschiebung hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig. Sie wirkt bei allen Temperaturen gleich.

Aus dieser Unterscheidung folgt die Diagnose: Ist es nur bei Frost zu kalt, stimmt die Steilheit nicht. Ist es immer zu kalt oder immer zu warm, muss die Parallelverschiebung angepasst werden.

Vorbereitung: erst abgleichen, dann absenken

Eine Absenkung funktioniert nur, wenn die Wärme gleichmäßig verteilt wird. Ist die Anlage nicht hydraulisch abgeglichen, wird der ungünstigste Raum als erstes zu kalt — und Sie drehen wieder hoch.

Schritt für Schritt absenken

  1. Wählen Sie einen Referenzraum, der typischerweise am schlechtesten versorgt ist — häufig ein Nordzimmer oder ein Raum am Strangende.
  2. Notieren Sie die aktuelle Einstellung, damit Sie jederzeit zurückkönnen.
  3. Senken Sie die Parallelverschiebung um etwa zwei Kelvin.
  4. Warten Sie mindestens zwei Tage — Gebäude reagieren träge, bei Fußbodenheizung noch träger.
  5. Prüfen Sie die Raumtemperatur im Referenzraum. Ist sie unverändert, senken Sie erneut.
  6. Wiederholen Sie das, bis der Referenzraum knapp unter der Wunschtemperatur bleibt, und gehen Sie dann einen Schritt zurück.
  7. Prüfen Sie das Verhalten bei kaltem Wetter erneut — jetzt geht es um die Steilheit.

Der ganze Vorgang zieht sich über Wochen. Das ist normal und der Grund, warum er so selten gemacht wird — der Nutzen bleibt aber dauerhaft erhalten.

Woran Sie erkennen, dass Sie zu weit sind

BeobachtungWahrscheinliche UrsacheAnpassung
Nur bei Frost zu kaltSteilheit zu niedrigSteilheit erhöhen, Verschiebung lassen
Immer etwas zu kaltParallelverschiebung zu niedrigVerschiebung anheben
Bei mildem Wetter zu warmSteilheit zu hochSteilheit senken, Verschiebung anheben
Ein Raum kalt, Rest passtHydraulik, nicht HeizkurveAbgleich prüfen
Morgens lange kaltNachtabsenkung zu tiefAbsenkung reduzieren oder abschalten

Nachtabsenkung: bei Wärmepumpen meist kontraproduktiv

Bei Gasheizungen konnte eine Nachtabsenkung sparen. Bei Wärmepumpen ist sie häufig nachteilig: Das morgendliche Wiederaufheizen erfordert eine höhere Vorlauftemperatur genau dann, wenn es draußen am kältesten ist — also im ungünstigsten Betriebspunkt.

In gut gedämmten Gebäuden mit trägen Flächenheizungen ist ein durchgehender Betrieb mit niedriger Temperatur fast immer die bessere Wahl.

Steilheit und Parallelverschiebung wirken unterschiedlich — die Diagnose entscheidet, welche Schraube passt.

Lieber gleich systematisch: Wir optimieren und werten über die Heizperiode aus.

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Häufige Fragen

Wie viel kann ich durch die Heizkurve sparen?
Bei einer Wärmepumpe wirkt jedes eingesparte Grad Vorlauf mit rund zweieinhalb Prozent. Fünf Grad Absenkung entsprechen also grob einem Achtel der Heizstromkosten.
Warum dauert es so lange, bis ich eine Wirkung sehe?
Gebäude speichern Wärme. Nach einer Änderung braucht es ein bis zwei Tage, bis sich ein neuer Beharrungszustand einstellt — bei Fußbodenheizungen eher länger.
Sollte ich im Sommer die Heizung ganz abschalten?
Die Sommerabschaltung übernimmt die Regelung in der Regel automatisch über eine Außentemperaturgrenze. Wichtig ist, dass die Warmwasserbereitung weiterläuft.
Erste Hilfe

Sie haben das Problem gerade konkret?

Dann fangen Sie beim Symptom an — mit Selbstcheck, wahrscheinlichen Ursachen und einer ehrlichen Aussage, wo es ohne Fachmann nicht weitergeht.

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