Heizkurve richtig einstellen: Anleitung für Eigentümer
Eine witterungsgeführte Regelung bestimmt die Vorlauftemperatur aus der Außentemperatur. Der Zusammenhang zwischen beiden ist die Heizkurve. Sie hat zwei Stellschrauben: Steilheit und Parallelverschiebung.
- Die Steilheit legt fest, wie stark der Vorlauf steigt, wenn es draußen kälter wird. Sie wirkt vor allem bei tiefen Außentemperaturen.
- Die Parallelverschiebung hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig. Sie wirkt bei allen Temperaturen gleich.
Aus dieser Unterscheidung folgt die Diagnose: Ist es nur bei Frost zu kalt, stimmt die Steilheit nicht. Ist es immer zu kalt oder immer zu warm, muss die Parallelverschiebung angepasst werden.
Vorbereitung: erst abgleichen, dann absenken
Eine Absenkung funktioniert nur, wenn die Wärme gleichmäßig verteilt wird. Ist die Anlage nicht hydraulisch abgeglichen, wird der ungünstigste Raum als erstes zu kalt — und Sie drehen wieder hoch.
Schritt für Schritt absenken
- Wählen Sie einen Referenzraum, der typischerweise am schlechtesten versorgt ist — häufig ein Nordzimmer oder ein Raum am Strangende.
- Notieren Sie die aktuelle Einstellung, damit Sie jederzeit zurückkönnen.
- Senken Sie die Parallelverschiebung um etwa zwei Kelvin.
- Warten Sie mindestens zwei Tage — Gebäude reagieren träge, bei Fußbodenheizung noch träger.
- Prüfen Sie die Raumtemperatur im Referenzraum. Ist sie unverändert, senken Sie erneut.
- Wiederholen Sie das, bis der Referenzraum knapp unter der Wunschtemperatur bleibt, und gehen Sie dann einen Schritt zurück.
- Prüfen Sie das Verhalten bei kaltem Wetter erneut — jetzt geht es um die Steilheit.
Der ganze Vorgang zieht sich über Wochen. Das ist normal und der Grund, warum er so selten gemacht wird — der Nutzen bleibt aber dauerhaft erhalten.
Woran Sie erkennen, dass Sie zu weit sind
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Anpassung |
|---|---|---|
| Nur bei Frost zu kalt | Steilheit zu niedrig | Steilheit erhöhen, Verschiebung lassen |
| Immer etwas zu kalt | Parallelverschiebung zu niedrig | Verschiebung anheben |
| Bei mildem Wetter zu warm | Steilheit zu hoch | Steilheit senken, Verschiebung anheben |
| Ein Raum kalt, Rest passt | Hydraulik, nicht Heizkurve | Abgleich prüfen |
| Morgens lange kalt | Nachtabsenkung zu tief | Absenkung reduzieren oder abschalten |
Nachtabsenkung: bei Wärmepumpen meist kontraproduktiv
Bei Gasheizungen konnte eine Nachtabsenkung sparen. Bei Wärmepumpen ist sie häufig nachteilig: Das morgendliche Wiederaufheizen erfordert eine höhere Vorlauftemperatur genau dann, wenn es draußen am kältesten ist — also im ungünstigsten Betriebspunkt.
In gut gedämmten Gebäuden mit trägen Flächenheizungen ist ein durchgehender Betrieb mit niedriger Temperatur fast immer die bessere Wahl.
Lieber gleich systematisch: Wir optimieren und werten über die Heizperiode aus.
Anlagenoptimierung ansehen