Heizlast pro m²: warum Watt pro Quadratmeter nur eine Näherung ist
Die spezifische Heizlast in Watt pro Quadratmeter Wohnfläche ist die schnellste Art, die Größe einer Heizung abzuschätzen: Wohnfläche mal Kennwert ergibt die Heizlast. Für ein erstes Gefühl ist das legitim. Als Grundlage für die Auswahl einer Wärmepumpe ist es zu ungenau, weil der Kennwert genau das ausblendet, was die Heizlast eigentlich bestimmt: die Bauteile und ihren Zustand.
Richtwerte nach Gebäudezustand
Diese Werte verwendet auch unser Heizlast-Rechner. Sie gelten für eine durchschnittliche Klimalage mit einer Norm-Außentemperatur um minus zehn Grad.
| Gebäudezustand | Richtwert | 150 m² ergeben |
|---|---|---|
| Neubau nach aktuellem Standard | etwa 45 W/m² | rund 6,8 kW |
| Gut modernisiert (Hülle weitgehend gedämmt) | etwa 70 W/m² | rund 10,5 kW |
| Teilmodernisiert (z. B. Fenster, Dach) | etwa 100 W/m² | rund 15 kW |
| Unsaniert | etwa 145 W/m² | rund 21,8 kW |
Schon die Tabelle zeigt das Problem: Zwischen „teilmodernisiert“ und „gut modernisiert“ liegen fünf Kilowatt. In welche Zeile ein konkretes Haus gehört, ist Ansichtssache — und genau diese Ansichtssache entscheidet über die Gerätegröße.
Rechenbeispiel: gleiches Haus, zwei Zustände
Ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit rund 140 m² Wohnfläche, Grundfläche 8 × 9 m. Gerechnet wird vereinfacht nach dem Prinzip der DIN EN 12831: Transmissionsverluste über die Hülle plus Lüftungsverluste, bei 20 °C innen und minus 10 °C außen, also 30 Kelvin Temperaturdifferenz.
| Annahme | Unsaniert | Teilsaniert |
|---|---|---|
| Außenwand (164 m²) | U = 1,4 W/(m²K) | U = 0,8 W/(m²K) |
| Fenster (26 m²) | U = 2,8 W/(m²K) | U = 1,3 W/(m²K) |
| Oberste Geschossdecke (72 m²) | U = 0,9 W/(m²K) | U = 0,25 W/(m²K) |
| Boden gegen Erdreich (72 m²) | U = 1,0 W/(m²K), halb angesetzt | unverändert |
| Wärmebrücken | pauschal 0,05 W/(m²K) auf die Hülle | unverändert |
| Luftwechsel | 0,5 pro Stunde, 350 m³ | unverändert |
| Ergebnis | Unsaniert | Teilsaniert |
|---|---|---|
| Transmission | 12,6 kW | 7,1 kW |
| Lüftung | 1,8 kW | 1,8 kW |
| Heizlast gesamt | 14,4 kW | 8,9 kW |
| Spezifisch | 103 W/m² | 63 W/m² |
Neue Fenster und eine gedämmte oberste Geschossdecke senken die Heizlast desselben Hauses um mehr als ein Drittel. Wer das Haus nach Baujahr als „unsaniert“ einordnet und mit 145 W/m² rechnet, kommt auf gut 20 kW — mehr als das Doppelte dessen, was das teilsanierte Haus tatsächlich braucht.
Was der Quadratmeter nicht sieht
- Bauteilzustand: Fenster, Dach und Wand wirken jeweils einzeln. Eine Teilsanierung taucht in der Wohnfläche nicht auf.
- Geometrie: Ein Bungalow hat bei gleicher Wohnfläche mehr Dach- und Bodenfläche je Quadratmeter als ein kompaktes zweigeschossiges Haus.
- Raumhöhe: Altbauten mit drei Metern Deckenhöhe haben bei gleicher Fläche deutlich mehr Luftvolumen und damit höhere Lüftungsverluste.
- Lage und Nutzung: Ein Reihenmittelhaus verliert über die Trennwände kaum Wärme, ein freistehendes Haus über alle vier Seiten.
- Verteilung: Die Summe sagt nichts darüber, welcher Raum bei niedriger Vorlauftemperatur zu kalt bleibt — und das ist die Frage, die bei der Wärmepumpe zählt.
Besser als der Flächenkennwert: der Verbrauch
Im Bestand liefert der tatsächliche Verbrauch einen deutlich belastbareren Überschlag als die Fläche: Heizenergie pro Jahr, ohne Warmwasseranteil, geteilt durch rund 2.000 Vollbenutzungsstunden. 18.000 kWh Gas mit etwa 15 Prozent Warmwasseranteil ergeben so rund 15.300 kWh für die Heizung und damit eine Heizlast in der Größenordnung von 7,7 kW. Der Weg setzt voraus, dass das Haus in den Vergleichsjahren normal bewohnt und beheizt war.
Die Größenordnung selbst ermitteln — über Fläche, Verbrauch oder U-Werte:
Zum Heizlast-RechnerFür die Geräteauswahl, die Heizflächenprüfung und den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B braucht es anschließend die raumweise Berechnung.
Raumweise, nach DIN EN 12831, mit offengelegten Annahmen:
Heizlastberechnung ansehen