Berechnung & Nachweise7 Min. Lesezeitaktualisiert 12. August 2026

Lüftungskonzept nach DIN 1946-6: Pflicht, Ablauf, Kosten

Nach dem Fenstertausch ist das Haus dicht — und im zweiten Winter kommt der Schimmel. Das Lüftungskonzept klärt vorher, ob und welche Maßnahmen nötig sind.

Alte Gebäude hatten einen unfreiwilligen Vorteil: Sie waren undicht. Über Fensterfugen, Rollladenkästen und Kellertreppen fand ein permanenter Luftwechsel statt, der die Feuchtigkeit abführte. Mit modernen Fenstern und gedämmten Bauteilen fällt dieser Luftwechsel weg — die Feuchtigkeit bleibt.

Die DIN 1946-6 reagiert darauf mit einer klaren Anforderung: Bei Neubau und bei wesentlichen Änderungen an der Gebäudehülle ist ein Lüftungskonzept zu erstellen. Es weist nach, ob der Feuchteschutz auch dann sichergestellt ist, wenn niemand ans Fensteröffnen denkt.

Wann ein Lüftungskonzept erforderlich ist

  • Bei jedem Neubau von Wohngebäuden.
  • Im Bestand, wenn im Ein- und Mehrfamilienhaus ein wesentlicher Anteil der Fenster ausgetauscht wird.
  • Im Bestand, wenn ein wesentlicher Anteil des Daches abgedichtet oder gedämmt wird.
  • Sinnvollerweise immer dann, wenn die Gebäudedichtheit spürbar verbessert wird.

Fehlt das Konzept, ist die Maßnahme deshalb nicht automatisch unzulässig — aber im Schadensfall verschiebt sich die Verantwortung. Wer nachweisen kann, dass der Feuchteschutz geprüft wurde, steht deutlich besser da.

Die vier Lüftungsstufen

StufeZweckNutzerunabhängig?
FeuchteschutzSchutz der Bausubstanz bei zeitweiliger AbwesenheitJa, muss ohne Nutzer funktionieren
Reduzierte LüftungMindesthygiene bei zeitweiliger AbwesenheitWeitgehend
NennlüftungNormale Nutzung mit anwesenden BewohnernTeilweise über Nutzer
IntensivlüftungLastspitzen wie Kochen, Duschen, WäschetrocknenÜber Nutzer

Der Kern des Nachweises ist die erste Stufe. Sie muss ohne Zutun der Bewohner erreicht werden — genau deshalb reicht der Hinweis, man solle regelmäßig lüften, rechtlich und technisch nicht aus.

Wie der Nachweis gerechnet wird

  1. Ermittlung des notwendigen Außenluftvolumenstroms für den Feuchteschutz aus Gebäudegröße und Dämmstandard.
  2. Abschätzung des Infiltrationsluftwechsels über die Gebäudehülle, abhängig von Dichtheit und Windlast.
  3. Vergleich beider Werte: Deckt die Infiltration den Bedarf, sind keine Maßnahmen nötig.
  4. Andernfalls Auswahl eines lüftungstechnischen Systems und Auslegung der Luftmengen je Raum.

Welches System wann passt

SystemStärkenGrenzen
Außenluftdurchlässe mit AbluftGünstig, einfach nachrüstbarKeine Wärmerückgewinnung, Zugerscheinungen möglich
Dezentrale Geräte mit WärmerückgewinnungRaumweise nachrüstbar, kein KanalnetzSchall, Wartung je Gerät, begrenzte Bilanzierung
Zentrale Anlage mit WärmerückgewinnungBeste Luftqualität und WärmerückgewinnungPlatzbedarf, Planungsaufwand, Investition
Reine AbluftanlageRobust, günstig im BetriebKeine Wärmerückgewinnung
Bei zentralen Anlagen entscheidet die Planung der Luftführung über Komfort und Schallverhalten.

Kosten und Aufwand

Das Konzept selbst ist ein überschaubarer Posten — deutlich günstiger als die Beseitigung eines einzigen Schimmelschadens. Die eigentliche Investitionsentscheidung fällt erst danach, wenn feststeht, welches System nötig ist.

Wer ohnehin saniert, sollte das Konzept früh erstellen lassen. Kanalführung und Gerätestandort lassen sich in der Rohbauphase mit geringem Aufwand berücksichtigen und später nur noch mit erheblichem.

Fenstertausch oder Dachdämmung geplant? Wir prüfen den Feuchteschutz rechnerisch.

Lüftungskonzept anfragen

Häufige Fragen

Wer darf ein Lüftungskonzept erstellen?
Fachkundige aus dem Bereich Lüftung, Heizung oder Gebäudetechnik — etwa Fachplaner, Energieberater oder qualifizierte Fachbetriebe. Entscheidend ist die normgerechte Durchführung, nicht ein bestimmter Titel.
Reicht Lüften über die Fenster nicht aus?
Für die Nennlüftung ja, für den Feuchteschutz nicht. Der muss auch funktionieren, wenn Sie im Urlaub sind — genau das ist der Kern der Anforderung.
Muss die Lüftungsanlage gefördert werden können?
Lüftungsanlagen sind im Rahmen von Effizienzmaßnahmen häufig förderfähig, besonders in Kombination mit weiteren Sanierungsschritten. Die konkrete Programmwahl prüfen wir im Einzelfall.