Nicht liegen lassen

Einzelne Räume werden nicht richtig warm

Ein oder zwei Räume bleiben spürbar kühler als der Rest — typischerweise Bad, Nordzimmer, Räume am Strangende oder ein späterer Anbau.

Kein Notfall, aber es wird nicht von selbst besser.

Das können Sie selbst prüfen

Ein paar Schritte, für die Sie nichts brauchen außer der Regelung Ihrer Anlage und etwas Geduld. Sie grenzen die Ursache bereits deutlich ein.

Heizkörper abtasten

Oben heiß, unten kalt ist normal. Ist der ganze Heizkörper lauwarm, kommt zu wenig Volumenstrom an.

Ventile ganz öffnen

Thermostatköpfe in den kalten Räumen vollständig aufdrehen und zwei Tage beobachten. Ändert sich nichts, liegt es an der Verteilung.

Mit den warmen Räumen vergleichen

Werden andere Räume zu warm, während dieser kalt bleibt, ist die Verteilung schief — nicht die Leistung zu klein.

Baujahr des Raums prüfen

Anbauten und ausgebaute Dachgeschosse wurden oft an bestehende Kreise gehängt, ohne die Hydraulik neu zu rechnen.

Wahrscheinliche Ursachen

Fehlender hydraulischer Abgleich

sehr häufig

Das Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Nahe Räume laufen über, entfernte bleiben unterversorgt.

Heizfläche zu klein für niedrige Vorlauftemperatur

sehr häufig

Bei 45 statt 70 Grad liefert derselbe Heizkörper deutlich weniger Leistung. Knapp bemessene Flächen fallen zuerst aus.

Nachträglich angehängter Kreis

häufig

Anbau oder Wintergarten wurde ergänzt, ohne Volumenströme neu zu berechnen.

Rohrnetz am Strangende zu eng

regelmäßig

Bei kleiner Spreizung braucht die Wärmepumpe hohe Volumenströme; alte Leitungen kommen an ihre Grenze.

Luft im Heizkreis

gelegentlich

Der einfachste Fall — und der einzige, den Sie in fünf Minuten selbst beheben können.

Was das mit der Auslegung zu tun hat

Kalte Einzelräume sind selten ein Zeichen zu kleiner Anlagenleistung. Meist wurde die Heizlast nur für das Gesamtgebäude betrachtet statt raumweise — dann fehlt die Information, welcher Raum bei welcher Vorlauftemperatur kritisch wird. Genau dafür ist die raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 da.

Was hilft

  • Heizkreise entlüften — zuerst, weil es nichts kostet
  • Raumweise Heizlast rechnen und die Heizflächen dagegen bewerten
  • Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B mit Voreinstellwerten je Ventil
  • Wenige kritische Heizkörper gegen Niedertemperaturmodelle tauschen, statt die Vorlauftemperatur für alle anzuheben
  • Bei Anbauten: Volumenstrom und Anbindung neu rechnen
Ab hier wird es ohne Messung ungenau

Wenn Entlüften und geöffnete Ventile nichts bringen, braucht es die raumweise Heizlast und den Abgleich. Die Vorlauftemperatur anzuheben ist die teuerste aller Lösungen.

Häufige Fragen

Muss ich alle Heizkörper tauschen?
Fast nie. Typischerweise sind zwei oder drei Räume betroffen — Bad, Nordzimmer, Anbau. Welche das sind, zeigt die raumweise Rechnung.
Hilft es, die Vorlauftemperatur anzuheben?
Kurzfristig ja, dauerhaft ist es die teuerste Lösung. Sie zahlen für alle Räume mehr, um einen einzigen zu versorgen.
Warum war das mit dem alten Kessel kein Problem?
Weil er mit 70 Grad fuhr. Bei dieser Übertemperatur reicht auch ein zu kleiner Heizkörper. Erst die abgesenkte Systemtemperatur macht die Unterdimensionierung sichtbar.
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