Warum alte Rohrnetze Wärmepumpen ausbremsen
Ein alter Gaskessel fuhr typischerweise mit einer Spreizung von 20 Kelvin: 70 Grad Vorlauf, 50 Grad Rücklauf. Eine Wärmepumpe arbeitet effizienter mit kleinen Spreizungen, meist 5 bis 7 Kelvin. Bei gleicher Leistung bedeutet das den etwa drei- bis vierfachen Volumenstrom durch dieselben Rohre.
Das ist der Grund, warum Anlagen nach dem Tausch manchmal schlechter laufen als erwartet, obwohl Gerät und Auslegung stimmen. Das Netz war für einen anderen Betriebsfall gebaut.
Was im Netz passiert, wenn der Volumenstrom fehlt
- Die Spreizung wird zu groß, der Rücklauf zu kalt, und die Regelung reduziert die Leistung oder schaltet ab.
- Die Umwälzpumpe läuft dauerhaft am oberen Anschlag und verbraucht spürbar Strom.
- An Ventilen und Verengungen entstehen Strömungsgeräusche.
- Entfernte Räume werden nicht warm, obwohl der Abgleich korrekt gerechnet wurde.
- Die Wärmepumpe taktet, weil sie ihre Mindestleistung nicht abführen kann.
Wo die Engstellen typischerweise sitzen
Selten ist das ganze Netz zu klein. Meist sind es einzelne Abschnitte, die den Gesamtwiderstand bestimmen:
- Die Anbindeleitung vom Wärmeerzeuger zum Verteiler, oft unnötig lang und mit vielen Bögen.
- Alte Steigleitungen mit kleiner Nennweite, die einen ganzen Strang versorgen.
- Thermostatventile mit sehr kleinem Durchgangsquerschnitt.
- Schmutzfänger und Filter, die seit Jahren nicht gereinigt wurden.
- Ungünstig eingebundene Puffer- oder Trennspeicher mit zusätzlichem Widerstand.
Die Rohrnetzberechnung zeigt, welcher dieser Punkte tatsächlich limitiert. Ohne sie wird häufig die Pumpe größer gewählt — was den Stromverbrauch erhöht, die Geräusche verstärkt und das eigentliche Problem nicht löst.
Einrohrheizungen: der schwierige Sonderfall
In Gebäuden aus den 1960er bis 1980er Jahren finden sich häufig Einrohrsysteme. Hier durchströmt dasselbe Wasser nacheinander mehrere Heizkörper, sodass die Temperatur von Heizkörper zu Heizkörper sinkt.
Für Wärmepumpen ist das ungünstig, weil die letzten Heizkörper im Strang eine hohe Vorlauftemperatur brauchen, damit sie überhaupt noch Leistung bringen. Möglich ist der Betrieb trotzdem — mit größeren Heizflächen am Strangende, angepassten Beimischanteilen oder, wo es baulich geht, einer Umstellung auf Zweirohrbetrieb.
Was die Berechnung liefert
- Erforderliche Volumenströme je Strang und Heizkreis, abgeleitet aus der raumweisen Heizlast.
- Druckverluste inklusive Einzelwiderständen an Bögen, Ventilen und Armaturen.
- Den ungünstigsten Strang, der die notwendige Förderhöhe bestimmt.
- Eine konkrete Pumpenempfehlung mit Sollwert statt Maximalstellung.
- Eine Liste der Abschnitte, deren Querschnitt tatsächlich vergrößert werden muss.
In der Praxis stellt sich dabei häufig heraus, dass nur wenige Meter Leitung ausgetauscht werden müssen — deutlich weniger, als ein pauschaler Vorschlag zur Netzerneuerung vermuten lässt.
Unklar, ob Ihr Bestandsnetz für eine Wärmepumpe reicht? Wir rechnen es strangweise nach.
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